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Interview – Lydia Schültken zum Thema: Wie viel Workhack steckt in der ChiliChallenge?

Wie viel Workhack steckt in der ChiliChallenge?

Für uns von Evalea hat die ChiliChallenge viele positive Ergebnisse hervorgebracht und natürlich vor allem auch viel Spaß gemacht. Was als Teambildungsmaßnahme begann, beeinflusste schnell viele Aspekte des Arbeitsalltags positiv.
Doch da das bis an diesem Punkt alles recht subjektiv ist, wollten wir uns mit diesem Ergebnis nicht zufrieden geben. Und so möchten wir an dieser Stelle unsere ChiliChallenge auf die Probe stellen und haben eine Expertin für Workhacks gefragt: Lydia Schültken.

 

Lydia, du hast das Buch „workhacks: Sechs Angriffe auf eingefahrene Arbeitsabläufe“ geschrieben. Was genau sind Workhacks?

Ein workhack ist eine erprobte, minimalinvasive Methode, um die Zusammenarbeit und die Arbeitsergebnisse zu verbessern. Ein workhack hilft, ungünstige Verhaltensmuster zu verändern, und zeigt Teams spannende und auch kreative Alternativen zu eingefahrenen Routinen und Arbeitsabläufen.

 

Salopp gefragt: Wie viel Workhack steckt in einem Projekt wie der ChiliChallenge?

Also die ChilliChallenge würde ich schon als Workhack bezeichnen. Zum einen, weil durch wenig – insbesondere finanziellen – Aufwand eine Menge erreicht wurde. Und zum zweiten, weil nicht durch erhobenen Zeigefinger oder stundenlagen Workshops irgendwelche Soll-Situationen diskutiert wurden, sondern weil ihr einfach was ausprobiert habt. Und zum dritten weil sich dadurch die Teamdynamik verändert hat – die ja so wichtig ist für das Klima und somit auch für die Arbeitsergebnisse.

 

Wir haben in unserem Fall bewusst keine festen Strukturen für die ChiliChallenge gesetzt, sondern vieles weitestgehend spontan aus der Dynamik heraus entstehen lassen. Es gab keine festen Wiegezeiten oder gar Gießzeiten. Die Abläufe und alles um die Challenge herum sollten bewusst, ähnlich einer Kaffeepause, in den Arbeitsalltag fallen, um so mit den Kollegen, bei deren täglichen Aufgaben in den Austausch zu kommen. Ein gewisses Maß an Selbstdisziplin haben wir hierbei natürlich vorausgesetzt.

Wo denkst du könnte mehr Struktur bei der ChiliChallenge unterstützen?

Oh, das kann ich nicht sagen. Ich finde es eher richtig, wie ihr es gemacht habt. Ich gehe ähnlich in Teams vor; es gibt eine Grundidee und der Rest wird vom Team selbst bestimmt. Ich finde es eher gut, wenn sich im Laufe des Prozesses Fragen ergeben und die dann miteinander besprochen werden. Teil des Erfolgs von workhacks ist die Mitgestaltung am workhacks. Das habt ihr also gut gelöst. Ich finde eher im Gegenteil, dass manche Regeln zu formal und streng sind und die Menschen dann das Denken vergessen.

 

Ausgenommen dem Gentlemen Agreement haben wir auf Regeln verzichten und die Mündigkeit jedes einzelnen und der Teams hervorgehoben. Das spiegelt auch unsere Arbeitsweise wieder. Es gibt oft nicht den einen richtigen Weg, sondern mehrere. Was es braucht, damit eine Pflanze wächst war jedem klar. Wie oft man sie gießt, wann man sie einpflanzt und wie genau man das alles macht, sollte jedes Team selbst entscheiden dürfen. Letztlich konnten sich auf diese Weise viele verschiedene Lösungsansätze formen, die alle erfolgreich waren.

Was gilt es aus Workhack Sicht bei Projekten wie der ChiliChallenge zu beachten?

Ich arbeite stark mit dem Thema Freiwilligkeit. Wenn ich mit Teams arbeite, dann frage ich nach einer Einführung immer: Wollt ihr workhacks ausprobieren? Wenn mehr als 20% Nein sagen (anonym), dann gehe ich wieder. Niemand wird gezwungen. Und wenn sie sich dafür entscheiden, dann frage ich die Teams, welchen workhack sie als Ersten ausprobieren wollen. Das klappt gut. Ich glaube nicht, dass man Menschen zwingen kann, ihre Routinen zu verändern, um besser miteinander zu arbeiten oder zu kommunizieren.

 

Wir spielen mit dem Gedanken die ChiliChallenge kommendes Jahr für andere Unternehmen zu öffnen und so die Möglichkeit zu bieten, das nicht nur Abteilungen miteinander in Wettstreit und Austausch gehen, sondern dass das auch unternehmensübergreifend geschieht.

Aus deiner Erfahrung, lässt sich die ChiliChallenge auf jede Unternehmens- oder Abteilungsgröße übertragen?

Das ist durchaus möglich mit kleinen Einschränkungen: Die ChiliChallenge passte gut für euer Thema und die Herausforderung für euer Team. Das muss nicht für jedes Unternehmen oder Team gelten. Manche Teams haben mehr Probleme sich gut zu organisieren, oder Themen offen anzusprechen oder Entscheidungen besser nachvollziehen zu können etc. Ich finde es gut, ein Repertoire an Workhacks oder Challenges anzubieten. Aus meiner Sicht ist die Auswahl eines workhacks wichtig, damit ein Team sagen kann: das haben wir so gewollt und gewählt und deshalb machen wir das jetzt auch konsequent.

 

Gibt es aus deinem Repertoire an Workhacks konkrete Beispiele, die sich an ein solches Projekt ankoppelt lassen?

Einer meiner großen Lieblinge lässt sich hier gut ankoppeln: die Retrospektive, die ich bei SCRUM entdeckt habe – ich bediene mich verschiedener Ideen. Beim SCRUM arbeitet man in kurzen Zyklen und reflektiert immer wieder die Arbeit und die Zusammenarbeit. Die Retrospektive ist ein Format, in dem man alle zwei Wochen darüber spricht, was gut läuft und was weniger gut läuft in der Zusammenarbeit. Also: Womit sollten wir aufhören und was sollten wir ausprobieren? Das ist eines der wenigen funktionierenden Formate, die ich kenne, dass ausschließlich die Zusammenarbeit thematisiert. Und zwar nicht in einem jährlichen „Wir gehen in den Kletterpark“, sondern in einem zweiwöchigen Rhythmus, indem Tacheles geredet wird. Diesen Zwei-Wochen-Rhythmus finde ich super, weil sich dann nicht alles aufstaut, bis man irgendwann Gelegenheit findet, darüber zu sprechen – oder sogar einen Mediator braucht, weil der Konflikt eskaliert ist. Sondern man spricht regelmäßig, am Anfang vielleicht über die groben Themen und dann immer kleinere Themen. Denn ich glaube, dass ein Team unglaublich stimmig und ehrlich sein muss, damit die Zusammenarbeit funktioniert. Dafür braucht es regelmäßige Reflexionssitzungen.
Ein weiterer Workhack, der sich gut ankoppeln ließe ist die Feedback-Karte. Da entwickelt man im Team eine Karte, auf der Feedback-Regeln stehen. Einmal im Quartal erhält jeder im Team zwei Karten und kann die an KollegInnen verteilen von dem er oder sie sich Feedback wünscht. Also kann man sich gezielt von KollegInnen Feedback einholen. Das geht natürlich auch ohne Karte, aber meine Beobachtung ist, dass man sich im Kollegenkreis nur selten offenes, genaues und ggf. auch kritisches Feedback gibt. Nach 2 Wochen setzen sich dann Feedbackgeber und –Nehmer nochmal zusammen und besprechen das – meist gibt es noch die ein oder andere Nachfrage. Ein sehr wertvolles Instrument.

 

Vielen Dank an Lydia für deine Einschätzung!

 

Wie ihr mittlerweile sehen könnt, wurde aus der Idee auch anderen Unternehmen die Möglichkeit zu geben die ChiliChallenge zu nutzen und vielfältig zu profitieren, Realität.

 

Weitere Informationen wie Ihr mitmachen könnt findet ihr hier:

chilichallenge.de